Fonsi
„Jetzt reicht's! ...leider nicht für alle“
Der Fonsi ist wieder unterwegs.

Der scharfsinnige Nörgler und liebenswerte Münchner Grantler ist seit Jahren bundesweit auf der Jagd nach der menschlichen Niedertracht. Und er findet sie zuhauf. Da steigt er dann herab aus seinem Kassenhaus in Schloß Neuschwanstein und erklärt uns mit flammendem Eifer die Welt. Große Politik und kleine Schwächen, den digitalen Terror und den vorhersehbaren Wahlausgang. Und natürlich wie es um die Dummheit steht. Mit großem Charme haut er uns konsequent unsere Vorurteile um die Ohren. Dabei kommt er erst so harmlos und treuherzig daher, mit seiner schwarzen Aktentasche und der blauen Kassierer-Mütze auf dem Kopf. Doch plötzlich scheppert's. Zielsicher verteilt er ein Feuerwerk an verbalen Watschen an diejenigen, die es verdienen: die rücksichtslosen Saubären, die Schwätzer und zynischen Verblöder in diesem Land. Der Fonsi ist der Anwalt des gesunden Menschenverstands. Und er kennt auch die leisen Töne. Wenn er es richtig ernst meint, ist Schluss mit lustig. Der Fonsi berührt die Menschen. Einer schrieb: „Er ist der menschlichste aller Kabarettisten.“ Auf jeden Fall der mit den schrägsten Liedern zu seiner Zither. Ein Bayer im Fortissimo!
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  Ausgabe Karlstadt
  vom Montag, den 19. März 2012

von th
Fonsi: „Mir san fei scho arg schwierig worn“
Dampfplauderer und Kabarettist Christian Springer spannte weiten Bogen vom Geblödel hin zum ernsten, beißenden Spott

Mit anderthalb Stunden Volldampf-Kabarett ließ der Münchner Christian Springer alias „Fonsi“ den Besuchern im voll besetzten Karlstadter Theater in der Gerbergasse keine Atempause. In seinem Programm „Jetzt reicht's . . . leider nicht für alle“ zog er mit scheinbar sinnfreiem Geblödel bis hin zum bitterbösen Sarkasmus alle Register.

Wenn der Fonsi loslegt, kommt er schnell vom Hundertsten ins Tausendste. Ist er in der einen Sekunde bei der Helmpflicht für Biertrinker, springt er sofort zum neuen Gesetz, das Einbahnstraßen im Fall einer Sackgasse verbietet. Dass hinter all dem scheinbaren Sprachgequirle ein tiefer zusammenhängender Sinn existiert, ist manchmal Vermutung, manchmal Tatsache, oft aber auch ein völliger Irrtum - eben nur Schmarrn. Für den Zuhörer ist das schwer zu unterscheiden, denn der Fonsi ist wahnsinnig schnell. Nicht nur in seinen Gedankensprüngen, nein, auch im Reden, und das verlangt auch dem Publikum Höchstleistungen der Aufmerksamkeit ab.

In der ersten Halbzeit hüpfte der ewig grantelnde Altbayer von einem Stammtisch-Vorurteil zum anderen. Euro-Rettung: „Griechenland kann man retten - muss man aber nicht. Brotskandal: „Der Mäusekot und die Schaben waren doch die einzigen natürlichen Bestandteile des Müllerbrots!“ Wulff-Affäre: „I hab' des gleich gewusst, aber mich hat keiner gefragt.“ Dazwischen gab es immer wieder weltanschaulich tiefgründige Erkenntnisse fürs Poesiealbum: „Mir san fei scho arg schwierig worn“ oder „Heut' ist die Zeit a schlecht, aber anders!“

Verständnisfrage

Pfiffig und spontan ging der Fonsi auf sein Publikum ein. Was früher an der Stelle des heutigen Theaters gewesen sei, wollt er wissen. Dabei verstand er den Eisenwaren (Söfjer) als Eisenbahnhandel, was ihn zu minutenlangen Betrachtungen veranlasste. Ebenso baute er ein zufällig klingelndes Handy sofort ins Programm ein. Nach der Pause behielt Springer zwar das Tempo bei, wurde aber inhaltlich bei allem Blödsinn deutlich ernster: Die Resozialisierung des Münchner Polizeichefs mit dem Gaddafi-Sohn in einem Nobelhotel, der Sketch „Zölibat verkehrt herum“ oder „Die im Fernsehen sollten mal öfter selbst fern sehen, damit sie sehen, was für einen Schmarrn die da machen!“ Beißend, ja schon fast zynisch wurde es dann beim Umgang mit dem gegenwärtigen Krieg in Afghanistan, von dem wir in Europa eigentlich nichts mitkriegen. Ohne Ziel, ohne Nutzen, ohne Sinn. Die Berichterstattung wird erst dann interessant, wenn das Begräbnis heimischer Soldaten ansteht. Das scheinbar romantische Spiel auf der Zither verstärkte die Zerrissenheit hier nur noch, zumal die Melodie an „Maikäfer flieg“ angelehnt war. Da konnte dann auch der Gag von der Frauenquote bei den Taliban nur noch ein bitteres, gequältes Lachen hervorrufen.

Klar, dass sich nach diesem Abschluss ein Kalauer als Zugabe schwierig gestaltete. Doch der Fonsi schaffte ein versöhnliches Finale.