WEIHNACHTSFEIER der etwas anderen Art
Compagnia Buffo präsentiert:
WEIHNACHTSFEIER der etwas anderen Art

Wir befinden uns im Altenheim ........ Ein Ort der Stille und Besinnung. Herr Bachmann, der etwas tüddelige und knorrige Insasse dieser Einrichtung und Frau Pieper, die stets um das Beste bemühte Ehrenamtliche, haben sich bereiterklärt die Gestaltung der diesjährigen Weihnachtsfeier zu übernehmen und in Szene zu setzen. Bachmann und Pieper meinen es ernst.

Sie bringen ein famoses Weihnachtsspecial auf die Bühne: Sie präsentieren Weihnachtsgeschichten, in denen die Harmonien und Disharmonien der Weihnachtszeit aufeinandertreffen. Dabei ziehen sich ihre Weihnachtsgeschichten nie in die Idylle verklärten Weihnachtszaubers zurück, und deswegen machen sie Lust auf Weihnachten, denn sie suchen immer nach dem Kern der Wahrheit: Der Glaube an eine wahrlich wunderbare Nacht.

Lieverscheidt und Kascha B. bleiben dabei dem Jahrmarkttheaterstil von Compagnia Buffo treu: Maskenspiel, Zaubervarieté, Opera Buffo, Schattentheater, skurrile Weltenklänge sind ihre Stilmittel.
MAIN-POST
  Ausgabe Karlstadt
  vom Montag, den 19. Dezember 2011

von Karlheinz Haase
Wie Maria und Josef aus dem Paradies flogen
Compagnia Buffo bot im Theater in der Gerbergasse ein Kontrastprogramm zu den üblichen Weihnachtsfeiern

Der Titel „Eine Weihnachtsfeier der etwas anderen Art“ ist völlig untertrieben. Was Willi Lieverscheidt und Kascha B. am Samstagabend auf die Bühne im Karlstadter Theater in der Gerbergasse auf die Bretter zauberten, war eine völlig durchgeknallte Mischung aus Straßenzirkus, Schattenspiel, Maskenspiel, Tanz, Zauberei und Publikumsanimation - kurz: die ganze Palette des Jahrmarkttheaters.

Seit vier Jahren sind die beiden alladventlich in den Rollen des Altenheimbewohners Herr Bachmann und der Ehrenamtlichen Frau Piepers, die eine Weihnachtsfeier gestalten wollen, unterwegs. Schon der Auftakt hat eigentlich das Zeug zum Kult - vergleichbar mit „Dinner for One“. Man kann den Wortwechsel nicht oft genug hören.

Lieverscheidt kommt als Weihnachtsmann verkleidet herein. Seine Partnerin fragt ihn, woher „das Fest“ kommt. Er stellt klar: „Am Anfang schuf der Herr Maria und Josef. Dann sind die beiden aus dem Paradies geflogen, weil Maria in die Schlange gebissen hat. Bei der Flucht hat sich Maria umgedreht und ist zu einer Salzstange erstarrt. Und dann hat es angefangen zu regnen.“ Bei dem Stichwort „Regen“ fällt dem tüddeligen Bachmann ein: „Wissen se, woran mich der Regen erinnert? An den regen Geschlechtsverkehr früher.“

Worauf er mit den Worten „Ich fasele also zusammen“ wieder zum Thema findet: Von der Schlange kommt er zu der Schlange von Tieren, die sich vor der Arche Nora bildete. Das geht so lange weiter, „bis einer sprach: Der Herr ist mein Hirte und er wird mich schon mangeln“.

Zwei bunte Hirne

Den beiden bunten Hirnen ist nichts heilig, schon gar nicht Weihnachten. Die Show ist das krasse Gegenteil zur allgegenwärtigen Besinnlichkeit. Immer wieder werden Satzfetzen aus Weihnachtsliedern in den Raum geworfen. Und das Publikum bekommt Klapperinstrumente und Knalltüten als Begleitung für ein Weihnachtslied.

Immer wieder aber findet Compagnia Buffo auch zur Ruhe und Konzentration zurück. So etwa im Schattenspiel vom Bär und vom Vogel, die trotz eisiger Kälte nicht in die Kirche eingelassen werden. Oder bei Lieverscheidts Spiel auf der Glasharfe, bei dem jedoch unglücklicherweise jemand das Glas mit dem Ton E ausgesoffen hat. Kein Problem für den Interpreten, dann singt er das E eben.

Die oftmals wenig appetitliche Mimik des auf der Bühne ständig schweißnassen 65-jährigen Lieverscheidts, seine miserabel gebückte Haltung, in die sich plötzlich wieder erstaunliche Beweglichkeit mischt, ist ein Ding für sich. Dazu kommt der akzentuierte Nordsprech des aus Gummersbach stammenden komödiantischen Schauspielers. Seine kraftvolle Stimme wirkt klassisch geschult, doch ist er reiner Autodidakt.

Seine wesentlich jüngere Partnerin Kascha B. ist ausgebildete Tänzerin und stellt den pfiffigen Gegenpol dar. Und da sind dann noch zwei allerliebste Hunde. Dass der eine aber auch wirklich nicht reagiert, wenn Herr Bachmann inbrünstig vor ihm stehend deklamiert „Macht hoch die Tür“ oder „Lasst und froh und munter sein“! Statt Kunststücke zu machen, starrt er gelangweilt in der Gegend herum. Das Publikum biegt sich vor Lachen.

Ebenso bei Ausschnitten aus „Dinner for One“, bei denen Lieverscheidt verblüffenderweise immer neue Flaschen und gefüllte Weingläser aus Pappröhren hervorzaubert.

Krippe nach EU-Norm

Dann schlüpft er in die Rolle eines Kontrolleurs, der zu prüfen hat, ob die Krippe im Altenheim auch den EU-Normen entspricht. Herrlich absurd rezitiert er die Vorschriften: „Maximal zehn Figuren sind erlaubt. Der Josef muss von der Maria einen Abstand von 12,8 Zentimetern haben. Das ist leicht zu merken: Das ist nämlich 13 weniger 0,2.“

Kascha B. exerziert ein Gymnastikprogramm durch, bei dem sie typisch weihnachtliche Tätigkeiten imitiert: den Teig rühren, den Baum schmücken, das Geschenk auspacken, ärgern . . .

So geht es weiter durch ein Kabinett von Absurditäten. Bei einigen Nummern kommen die Dialoge vom Band. Die Schauspieler müssen dann nur den Mund bewegen. Das dürfen beim Finale auch die etwa 20 Statisten versuchen, die aus dem Publikum geholt und kurzerhand mit lustigen Kopfbedeckungen verkleidet werden.

Compagnia Buffo

Gegründet wurde die Compagnia Buffo 1985 als Zelttheater in Tübingen. In Spitzenzeiten hatte die Truppe 15 Mitglieder. Seit 2008 zieht Mitbegründer Willi Lieverscheidt als letztes Mitglied der Truppe alleine durch die Lande und schlüpft in vielerlei Rollen. Seine Partnerin im Weihnachtsprogramm, Kascha B., war mehrere Jahre Mitglied beim Theater Titanick.