Annamirl Spies
Annamirl Spies
„O MArianne hilf!“

Aus der Schatztruhe einer alleinerziehenden Gro▀mutter

Sie ist rothaarig, dynamisch und neuerdings Single.
Nach 16 Jahren Männerwirtschaft beschreitet Annamirl Spies, die „Annamirl“ von der „Couplet-AG“, Solopfade.
Wer sie kennt, der weiß: Die „niederbayerische Bühnengranate“ (Süddeutsche Zeitung) zündet immer da, wo's um's pralle Leben geht.
Und um nichts anderes als das pralle Leben geht es in ihrem ersten Programm, wenn sie alias Marianne Schwinghammer genau da eintaucht, wo der Sumpf am größten ist: in der lieben Familie!
Marianne ist nicht nur Mutter, Tochter, Schwiegermutter, Schwiegertochter und nebenher auch noch Ehefrau in einer Person. Nein - sie ist zu allem Überfluss auch noch „alleinerziehende Oma“!
Frei nach dem Motto „O MArianne hilf!“ bedient sich ein ganzer Familienverbund ihrer scheinbar unerschöpflichen Reserven. Obwohl sie alles Mögliche und Unmögliche sofort zu erledigen versucht, geben alle ständig ungefragt ihren Senf dazu: Oft scharf, mitunter mittelscharf und selten, aber nur ganz ganz selten, sogar richtig süß!
Fast wie im richtigen Leben ist das...
MAIN-POST
  Ausgabe Karlstadt
  vom Montag, den 24. September 2012

von Günter Roth
Leben zwischen Enkel und Schwiegermutter
Annamirl Spies mischt das Publikum auf

Zwei Stunden mit Annamirl Spies in der Karlstadter Gerbergasse, das bedeutet: zwei Stunden nonstop Kabarett, derb, spritzig und geistvoll. Das Programm „O Marianne hilf - eine alleinerziehende Großmutter packt aus“ war in der Tat ein Griff ins pralle Leben, und das mit beiden Händen.

„Als frisch gebackene Großmutter fängst du irgendwie wieder bei Null an - alles ist anders als früher!“, klagte Spies und tischte gleich unbestreitbare Beweise auf: Geburten glichen heutzutage eher einer „Gebär-Performance“ und wenn die Oma auf das Kind aufpasst, weil sich die Tochter am Abendgymnasium selbstverwirklicht, kriegt sie eine dreiseitige „To-do-Liste“ mit logopädischen Fingerspielen, Pastinaken-Brei und jeder Menge „post-it“. Eine Großmutter ist eben eine Mutter mit einer zweiten Chance.

Annamirl nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie über moderne Namensgebung und Erziehungsmethoden spottet: „Leo-Noel, wir hatten doch vereinbart, dass du Jesaia-Andres nicht mehr mit der Schaufel auf den Kopf haust!“ Probleme hatte sie auch mit dem AZüMüKI-Brunch, dem vormittäglichen Treffen Alleinerziehender Mütter mit Kids, der sie zur Erkenntnis brachte, dass es eigentlich unverantwortlich sei, in der heutigen Zeit noch Enkelkinder in die Welt zu setzen.

Erholung für Oma und Enkelin sollte es dann im „Five Smiley Leading Family Resort for Kids“ ab dem achten Lebenstag in Tirol geben. Eben für Kinder der gehobenen Gesellschaftschicht, die „Schokoladenpudding scheißen und Apfelschorle pissen“. Doch die Angebote „Wellness für Windelflitzer in der Baghira-Suite“ (das gibt es wirklich!!) waren dann doch nicht das Wahre, zumal für die zweckige Annamirl ein geeigneter Abspeck-Plan entwickelt werden konnte.

Spies zeigt als Oma Marianne Schwinghammer auch „Mitte-Ende-Fünfzig“ den Jungen noch, was eine Harke ist. Sie redet nicht drum herum, sie ist auf gut fränkisch „grad 'naus“, manchmal derb bis an die Schmerzgrenze, aber dabei immer geistvoll und auf hohem Niveau. Sie kokettiert gleichermaßen mit ihrem Alter und ihren Pfunden, wenn sie von einer Leberkäs-Diät nach Vinzenz Murr schwärmt und sie spricht vor allem dem reiferen Publikum aus dem Herzen.

In ihrer Performance zeigt sich das ehemalige Mitglied der „Couplet AG“ wandlungsfähig von der unsäglichen Spießerkleidung aus den 1960er Jahren über den Jugendstil-Glamour bis hin zum flippigen Drummer-Outfit.

Dazwischen gab es auch pfiffige Songs: „Wenn's Fett nach vorn fällt“ oder „Genoveva, ich könnte weinen, wenn ich denk', wie schön ich war . . .“, eine spritzige Hommage an die singende Schwabinger Wirtinnen-Legende „Gisela“.